Wann kommst Du?

Wo ist deine brennende Liebe zu uns,
wo ist deine unvergleichliche Macht?

So fragen ja nicht nur die Prophetenworte (Jesaja 61,15), so fragen wir.
In der dunklen Nacht unserer Seele, in den Schmerzen unserer Körper
und im Mitleiden mit der Schöpfung und den Menschen,
die durch Krieg, Gewalt und Unterdrückung leiden.

Dein Erbarmen – es fehlt uns an allen Ecken und Enden.
Wir spüren nichts davon, dass Du uns liebst.
Wie also können wir,
wie also werden wir Deine Liebe erfahren?

Wer hat sich auf den Weg gemacht
durch die Wüste und über die Berge
und durch die Straßen der Stadt?
Hast Du dich auf den Weg gemacht?

Advent

Bereitet dem Herrn den Weg,
ist das nicht
das Motto im Advent?

Doch wir sind, wer wir sind,
und wo wir sind
räumen wir nur ungern
die Barrikaden zur Seite,
auf die wir so gerne gehen – wenn überhaupt.

Apropos Barrikaden:
Bei all den Baustellen hier und da und überall,
auf dieser Welt,
wird Gott sich wohl verspäten.

Hügel ebnen, Täler füllen,
das machen wir nur für ’ne Autobahn.
Ohne Tempolimit,
das gibt’s nur hier bei uns,
bedank dich bei der FDP,
hier kannst du noch Vollgas geben.
Es sei denn, Du willst nach Lüdenscheid. 

Wie bitte? Nein,
mit ‘nem Esel kommst Du uns nicht auf die Autobahn.
Da bist Du unseren SUVs im Weg.
Nimm lieber das Fahrrad,
e-Bike vielleicht, bist ja schon älter.
Doch warte noch, Du lieber Gott,
bis wir den Radweg fertig haben.
Sind 1000 Jahre 
nicht eh nur wie ein einziger Tag
für Dich? 

Bereitet dem Herrn den Weg,
macht hoch, die Tür, die Tor macht weit,
aber nur kurz, es zieht.
Und komm uns nicht durch die Hintertür,
die brauchen wir als Fluchtweg.

Besser du schickst einfach
eine WhatsApp mit Emoji,
damit wir wissen, wie’s so geht.

Bereitet dem Herrn den Weg?
Wir räumen auf und warten ab,
wir räumen ab und warten drauf.
wer da wohl kommt, was da wohl kommt…
und warten ab, und warten ab, und warten ab und zu mal ab.

nicht mal ignorieren

tatsächlich gibt es keinen Grund, der so genannten Fußball-WM in Katar irgendeine Aufmerksamkeit zu schenken. Wohl aber den zwei Formen des Protestes, die aktuell damit verbunden sind: Dem klaren Bekenntnis der iranischen Fußballer, bei der Nationalhymne als Ausdruck des Protestes gegen das Regime zu schweigen, so dass sogar das Staatsfernsehen bei der Nationalhymne ausblendete, und der Feigheit der europäischen Fußballverbände, die Ihre eigenen Bekenntnisse zu Toleranz als bloße und wohlfeile Symbolpolitik entlarvt haben.

Auch auf diese Weise kann man ein Bekenntnis ablegen…

 

Die Liebe

Ach, was soll sie nicht alles
tun und lassen, die Liebe.

Langmütig soll sie sein und freundlich,
geduldig und von großer Güte,
nicht nachtragend, nicht verletzend,
nicht berechnend, nicht anmaßend,
nicht selbstverliebt und nicht eifersüchtig,
auch das nicht.
Nicht dies und nicht das.

Stattdessen soll sie
trauern, die Liebe,
als wäre nicht alles schon traurig genug,
soll trauern
über Unrecht – und mit den Trauernden auch.

Zugleich soll sie sich freuen, die Liebe,
doch nicht über Lottogewinn oder den gelungenen Scherz,
sondern über Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit,
vertrauensselig und hoffnungsfroh.
Und alles, alles soll sie tragen:
Ist das denn nicht zu viel
verlangt?

Denn lieber noch, meine Lieben,
als all dass ich meine liebe Mühe habe
mit der Liebe,
lieber noch,
habe ich die Macht, Berge zu versetzen,
lieber noch
bin ich Ratgeber der Weisen und Herrschenden,
rate ihnen und allen
mit Worten wohlgesetzt und klug,
und erscheine wie ein Engel zur rechten Zeit am rechten Ort,
vertraut mit den intimsten Gedanken Gottes.

(zu 1. Korinther 13, hier geht’s zum ganzen Text)

Worauf es ankommt

Wenn wir uns fragen, worauf es ankommt… 

in einer verrückten Welt „epischer Lügen“,
wie die Britische Regierung die jüngsten Anschuldigungen Russlands nannte,
das nun erneut auf den Hunger als Waffe setzt,
und jeden Tag aufs Neue absurde Behauptungen aufstellt
um seine Mordtaten zu rechtfertigen:

So geht es dem russischen Sicherheitsrat nun
nicht mehr um Entnazifizierung,
sondern gleich um die Entsatanisierung der Ukraine,
weil doch die Amerikaner planten, den alten Menschen zu vernichten,
um ihn gegen programmierbare Mischwesen
aus Mensch und Technik auszutauschen… 

Wenn wir uns also fragen, worauf es ankommt… 

in einer verrückten Welt „epischer Lügen“,
wo wir doch kaum noch wissen, wo uns der Kopf steht,
geschweige denn das Herz,
wo nach den coronäischen Jahren nun die kriegerischen Jahre folgen,
als hätten uns die einen nicht schon gereicht;
„Raue Jahre kommen auf uns zu“ raunt der Bundespräsident,
wir sollten“alles stärken, was uns verbindet,“
auch unseren Widerstandsgeist,
jetzt, wo die Epoche gebrochen und das Schachbrett umgeworfen ist,

Darauf käme es an, im rauen Klima unserer Welt.
Immerhin brauchen wir nicht zu heizen
dieser Tage,
und wenn uns das beunruhigt,
so zeigt sich darin nur,
dass wir ahnen,
worauf es ankommt, in der sich wandelnden Welt.

Wenn wir also fragten, worauf es ankommt,

so antwortet Micha 6,8:
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
und was der Herr von dir fordert,
und zwar gerecht handeln,
und Lieben tun
und behutsam mitgehen mit deinem Gott.

Darum macht euch nicht gemein mit dem Denken,
von dem diese Welt und diese Zeit so sehr geprägt ist,
dass kaum noch etwas anderes zu erkennen ist.
Macht es anders, richtet euren Verstand neu aus,
an der Frage, was Gott sich für diese Welt vorgenommen hat:
Das vollkommen Unperfekte,
das, was in befreiende Freude versetzt
das, was sich nicht für Besser hält,
sondern liebend tut, worauf es ankommt. 

Notausgang freihalten

Am vergangenen Montag mussten wir mit unserer Haltestelle für den Frieden etwas ausweichen, weil auf der Evinger Straße Gleisbauarbeiten einen entsprechenden Lärm verursachten. Keine Chance, dagegen anzusingen.

So fanden wir uns im kleinen Kreis einige Meter entfernt vor einer Tür, auf der es bezeichnend hieß:

Notausgang freihalten.

 

 

Zuflucht zu finden, zumal im Lärm nicht einfach friedlicher Gleisarbeiten, sondern angesichts von Sirenen und explodierenden Raketen, das war an diesem Montag in der Ukraine nicht allen Menschen möglich. Städte überall in der Ukraine waren das Ziel russischer Angriffe, geplant und getragen von Hass und vom Wunsch nach Vergeltung. Der Krieg eskaliert, die Angriffe auf zivile Infrastruktur und Wohngebäude nehmen zu.

„Notausgang freihalten“ – das scheint zunehmend unmöglich zu sein, verbaut von der Eskalation der Waffen,
der eigenen Ideologie und Selbstdarstellung,
der Machtbesoffenheit, der Dynamik des Hasses oder der Wut.
Wie also könnte ein solcher freier Ausgang aus der Not aussehen?

Zunehmend ist jeder Ausgang aus der Not, der auf vertrauensvolle, verlässliche und friedliche Zusammenarbeit angewiesen ist, verstellt und verbaut.
In Deutschland demonstrieren Tausende für die Aufhebung der Sanktionen,
sie möchten es gerne warm und bequem haben, während die Menschen in der Ukraine beschossen  werden. Andere nutzen die Lage für ihre nationalistischen Interessen, sie kochen hoch, was durch die russischen Informationskrieger befeuert wird.
Notausgang?
Tatsächlich haben stets nur der Wille zur Versöhnung, Demokratie, die gleichberechtigte Zusammenarbeit und die gemeinsame Suche nach Gerechtigkeit für einen dauerhaften Frieden gesorgt, während Intoleranz, Unterdrückung und Machtgier je einen mörderischen Konflikt nach dem anderen hervorgebracht haben.

Wir setzen auf ein anderes, erneuertes Denken, nicht zurück in den Nationalismus und Imperialismus, sondern orientiert am Wert des Lebens selbst. Darum unsere Bitte:

Macht euch nicht gemein mit dem Denken,
von dem diese Welt und diese Zeit so sehr geprägt ist,
dass kaum noch etwas anderes zu erkennen ist.

Macht es anders, richtet euren Verstand neu aus,
an der Frage, was Gott sich für diese Welt vorgenommen hat:
Das vollkommen Unperfekte,
das, was in befreiende Freude versetzt
das, was sich nicht einfach für gut oder gar besser erklärt,
sondern das, was tut, worauf es ankommt und was dem Leben dient.
(nach Röm 12,1 und 2)

Was ist in der Kniftendose?

In früheren Zeiten gehörte es zur Frage des Tages:
Was ist wohl in der Kniffendose?
Kniffen, schon klar!
Aber was füllt den Zwischenraum zwischen den derart zusammengekniffenen Brotscheiben, welche ja der leichteren Handhabung des Bütterkens geschuldet sind.

Butter, Wurst, Schinken, Käse, was Grünes vielleicht dazu: Gurke oder Salat – das wären zumindest einige der klassischen Optionen für die Mahlzeit, die andernorts und mit anderen Zutaten auch mal Sandwich, Croque Monsieur, Pinchos, Smørebrød oder noch ganz heißen mag, ob nun zusammengeklappt oder nicht.
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, gab Jesus dem Widersacher zur Antwort, als dieser ihn aufforderte, doch aus Steinen Brot zu machen – was, wie wir wissen, schwieriger ist als umgekehrt. Jesus aber fastete, ein freiwilliger Verzicht als Befreiung von den Zwängen des täglichen Konsums und zugleich eine Öffnung für das Wirken Gottes.
Es sind daher die Worte Gottes, welche dem Menschen zum Leben dienen wie das täglich Brot, darum zu bitten uns allen Jesus ja ebenso beigebracht hat.

Für uns in der Auferstehungskirche Anlass genug, über das belegte Brot einmal eingehender nachzudenken und zu fragen, was denn zu den Angeboten leiblicher Speise wie dem künftigen Suppensonntag am ersten Sonntag des Monats an geistlicher Speise satt machen und bei Laune halten könnte. Weshalb wir in unserer Kniftendose geistliche Kniften gesammelt haben und jetzt, angesichts der noch verschlossenen Dose, voller Spannung fragen: Was ist denn wohl drin, in der Dose?

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,

wo der Friede und die Gerechtigkeit,
und das Recht auf Leben zerstört und verraten werden.
Lasst uns die Liebe zum Leben,
zur Barmherzigkeit und die Solidarität
mit dem Menschen neben uns
verteidigen und hochhalten

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,

wo das Recht vor die Hunde geht,
das Recht auf unvergiftete Nahrung,
auf klares Wasser, auf saubere Luft,
lasst uns einen Aufstand wagen,
für uns und für kommende Generationen.

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,

wo Gott verloren ging,
lasst uns nach ihm suchen,
lasst uns Geschichten erzählen
von einem neuen Himmel und einer neuen Erde,
in denen Gerechtigkeit herrscht
und von der alten Schöpfung,
von der es heißt: Und siehe, es war alles sehr gut.

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,

im Namen Gottes,
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe kommt von dem Gott
der Himmel und Erde gemacht hat.

Friedrich Reiffen

Die Welt ins Gebet nehmen, das ist das Thema unserer regelmäßigen
Haltestelle für den Frieden,
jeden Monat um 18 Uhr mitten in Eving,
neben Rossmann und gegenüber der Haltestelle Minister Stein

Das kann ich im Schlaf:

den Psalm 23 aufsagen
und die frühere Festnetznummer meiner Freundin,
die Charaktere meiner Lieblingsserie aufzählen
ein Musikstück spielen,
Matheaufgaben lösen,
Socken stricken,
den Weg finden,
Krabben pulen,
Geld verdienen,
schnarchen,
wandeln,
das Vaterunser runterbeten,

nur schlafen,
kann ich nicht…