Das wilde Pochen unsrer Herzen

Das wilde Pochen unsrer Herzen:
kannst Du es fühlen, Herr,
in deinem Herzen?

Unsere Herzen pochen vor Empörung,
die Ungerechtigkeit macht uns wütend und krank:
Tag für Tag neue Opfer ideologischer Kriege und Konflikte,
denen wir, hilflos gegenüberstehen.
Lüge, Machtmissbrauch, Selbstdarstellung, Ignoranz und Rücksichtslosigkeit, MIlliardäre kaufen sich Wahlen, damit ein Präsidentendarsteller
sich Ballsaal, Triumphbogen und Einfluss kaufen kann.
Menschen abgeschoben, abgestempelt, das Ende aller Bündnisse,
Bildungsnotstand, Klimagerechtigkeit, Generationengerechtigkeit:
unsere Herzen schlagen bis zum Hals vor Ärger, Abscheu, Verachtung.

Und pochen zugleich voller Sorge: Wir wollen Zukunft und Hoffnung,
doch wie und woher? Wie soll, ja wie kann es weitergehen?
Denn wenn es weitergeht wie bisher, geht es nicht weiter.
Voller Ungeduld pochen unsere Herzen: „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt.“

Vor Aufregung pochen unsere Herzen:
Demonstrationen, Bekenntnisse, Provokateure und Profiteure, Wahlen:
Arroganz und Solidarität. Mangelverwaltung, berechtigte Anliegen, aber…
wir wollen aufstehen, müssen aufstehen… .
Darum pochen die Herzen pochen vor Angst und Wut zugleich:
Gewalt als Strategie, als Gefühl der Stärke, als Lösung? 

Unsere Herzen pochen voller Entsetzen
über Taten und Worte der Bosheit und Gier wie über Unglück und Unheil.
Du Erdenzerschmelzer, Entsetzenverbreiter, Waffenvernichter:
Hört auf! rufst Du – nicht laut genug? 

Unsere Herzen pochen wie wild,
wenn die Liebe uns überwältigt.
Das wilde Pochen unsrer Herzen:
kannst Du es fühlen, Herr
in deinem Herzen?

kam nicht

…  eine Dürre,
ausgetrocknet die Flüsse,
die Wälder in Flammen,
Brandgeruch in der Luft
die Ernte verdorrt
wie in biblischen Zeiten?

Kam denn nicht einer der riet:
seid weise, nicht gierig,
legt zurück, teilt,
statt Gewinn zu verehren?

Kam da nicht einer der sagte:
Denkt nach, überlegt, wem gegenüber
Verantwortung Antwort geben muss –
und riet zum Frieden?

Gottes Traumgemeinde

Was ist wohl
Gottes Traum von Gemeinde?
Aber träumt Gott überhaupt?
Denn er schläft und schlummert ja nicht,
der Wächter,
dass er mich behüte,
den ich suche,
dass er mir helfe.

So wird sie doch kein Traum sein,
Gottes Traumgemeinde, Wunschgemeinde:
Leute des neuen Weges, vollkommen unperfekt,
begeisterte Schüler:innen Jesu Christi,
geschickt zu jedem guten Werk,
Botschafter der Versöhnung,
des Friedens und der Gerechtigkeit,
zum Wohle seiner vielfältigen Schöpfung
und zum Lob seiner Herrlichkeit.
Gemeinde Gottes in unendlicher Vielfalt.
Bleibt da noch was zu wünschen übrig?

Paradieschen

Willkommen im Paradieschen
Ein paar Radieschen haben wir ja schon geerntet, anderes muss noch wachsen, gegossen, vor gefräßigen Schnecken beschützt und gepflegt werden. Mittlerweile hatten wir schon einige Pflanz- und Pflegeaktionen zusammen mit den Kindern der Krümelstube, so dass sich das Paradieschen immer wieder neu zeigt:

 

Himmelfahrt

Emporgehoben,
das kenne ich… 

Wurde ich nicht
als Kind emporgehoben,
getragen, getröstet,
herumgewirbelt,
auf die Schultern gesetzt,
in Reichweite gebracht
– oder außer Reichweite?

Emporgehoben
konnte ich Schritt halten,
musste nicht selber
mit kleinen, trippelnden Schritten
den weiten Weg bewältigen.

Emporgehoben,
konnte ich weiter blicken,
Hindernisse überwinden,
über Mauern laufen
– und sogar fliegen.

Emporgehoben
war ich geborgen.

Heute trägt mich der Aufzug
in die oberen Etagen,
die Rolltreppe ist
die Lizenz zum Stehenbleiben.
Mit Flugzeugen umrunde ich
den Globus,
die Seilbahn bringt mich übern Berg.

Nur eine Ballonfahrt gleicht noch,
dem was ich als Kind erfuhr:
emporgehoben zu sein
in den Himmel.

Emporgehoben,
das vermisse ich…

Emporgehoben,
aufgefahren,
in den Wolken verschwunden,
der für 40 Tage
wiedergewonnene Jesus.

Das Kind,
zurück in den Armen des Vaters,
thront über der Welt.

Wir bleiben haften
auf dem Boden der Tat-Sachen,
der Erdenschwere
und Lasten
und bleiben in der Zeit.

Du hast den Wal

Du hast den Wal

In der Kirchsee
ist ein Wal gestrandet.
Hat sich verschwommen
auf dem Weg nach Ninive.
Wollte wohl ein Unwohlsein
an Land tragen,
ausspucken,
was so schwer im Magen
lag und dort
sein Schicksal beklagte.

Ihr habt den Wal!
so lautet unwohl
die Botschaft:
Kehrt um nun
zum Leben
oder
macht weiter wie bisher
zu eurem Untergang.
Wer kann Euch dann noch retten?

Nur noch verschwommen
ist, was zum Guten dient,
das Leben schützt und
die Schwachen achtet.

Gottes Idee von der Schöpfung
aufgelaufen
auf den Untiefen eurer
Wünsche, Forderungen
und Ziele.

Selbst das Meer
ist
voller Kriegsgerät,
voller Abfall, Plastik und Lärm.

Wer würde als Wal da
sich nicht verschlucken
an flüchtenden Propheten
und selber zur Mahnung:
Sieh hin,
Du hast den Wal!

Osternacht

Denen ist zu gratulieren,
die es hinbekommen, mit dem Frieden.
Bei sich selbst und da, wo sie leben.
Weil sie auf Jesus Christus vertrauen.

Denen ist zu gratulieren,
die noch nicht fertig sind mit allem Glauben, Hoffen und Lieben.
Weil sie von der Geistkraft Gottes
gar nicht genug bekommen können.

Denen ist zu gratulieren,
die sich nicht nur nach Gerechtigkeit sehnen.
Sondern sie mit Herz und Mund, mit Hand und Fuß herbeiarbeiten,
weil sie auf neuen Wegen behutsam mitgehen
mit dem befreienden Gott.

Karfreitagsblicke

Man möchte den Blick abwenden,
und muss doch hinsehen:
Karfreitagsblicke – aus der Ferne

Wir sehen Dich
in der Nacht des Verrats,
verzweifelt im Garten,
verlassen im Verhör
verhöhnt und geschlagen
sehen dich vor Pilatus
Purpurmantel, Dornenkrone
Holz auf deiner Schulter
sehen Hammer und Nägel
sehen das Kreuz
an dem Du hängst
sehen Dich tot
und begraben.

Man möchte den Blick abwenden,
und muss doch hinsehen,
Karfreitagsblicke – aus einer nie geahnten Nähe.

Denn wenn wir genau hinsehen, sehen wir, dass du uns siehst.
Darum kommen wir zu Dir zurück, versammeln uns bei Dir,
und nehmen aus Deiner Hand,
deinen zerbrochenen Leib, dein vergossenes Blut
als Friedensbund
der durch alle Zeiten hindurch uns trägt
zur Vergebung und als Kraft des Neuen Weges.