Was du willst

Wer weiß schon, was mit diesem Jesus los ist.
Was will der eigentlich von uns?
Wir sollen dieses tun und jenes lassen.
Noch jemand, der uns Vorschriften machen will:

Ich soll meine Feinde lieben, meinen Mantel hinhalten,
alles verkaufen, zwei Kilometer mitgehen,
und beim Pflügen geradeauskucken.
Außerdem soll ich mir keine Sorgen machen,
sondern Schätz sammeln.

Übrigens: wenn Du bei ihm im Weinberg arbeitest,
wo er gelegentlich eine Predigt hält,
sie zu, dass du erst abends und als letzter anfängst –
das gibt den gleichen Lohn,
als hättest Du schon morgens früh angefangen.

Es heißt, Jesus ist jemand, der uns befreit.
Doch wovon und wofür?
Wer weiß das schon…

—   —   —   —   —

Plötzlich ist er da, Jesus persönlich.
Er ist auf mich aufmerksam geworden,
wendet sich mir zu, obwohl ich ihn nicht sehen kann.
„Was willst du, dass ich dir tun soll?“ fragt er mich.

Das ist ja wie bei der Zauberfee, oder
Buttje Buttje inne See.
Was soll ich mir wünschen: König zu sein?
Berühmter Influencer
mit mehr Followern als nur zwölf vom Land.

Hörte ich nicht selbst seine Schüler streiten,
wer von ihnen der Größte sei,
wo doch gewiss das Himmelreich
sogleich alles auf den Kopf stellt?

Könnte ich mir auch den Weltfrieden wünschen,
Gerechtigkeit und Glück für alle,
Schluss mit alten Männern und ihren Kriegsspielen,
oder
ungeschwärzte Epstein-Akten?

Aber ernsthaft: Was wären meine Fragen,
meine wirklich wahren Wünsche?
Das würde ich gerne wissen. Das würde ich gerne sehen.
Dann könnte ich auch ihn,
dann könnte ich auch dich sehen, Jesus.

MAGA-Quark

Es ist kein Krieg,
es ist quasi eine
militärische Spezialoperation
angesichts der bedrohlichen Bedrohung,
die wir vor einem halben Jahr
für immer beseitigt haben.

Es ist kein Krieg,
es ist eine zuvorkommende Geste,
wo doch Israel eh
angegriffen hätte.

Es ist kein Krieg,
es ist eine religiöse Dienstleistung.
Denn wenn Jesus schon
nicht von selber kommt,
müssen wir ihn dazu zwingen.

Es ist kein Krieg, denn
keine Kriege mehr,
so lautete das Versprechen.

Reiner Zufall,
dass es jetzt Kriegsministerium heißt,
wo wir von Sieg zu Sieg eilen.

KI und andere Früchtchen

Wir sind ja nun geworden wie Gott,
wissend, was uns und anderen
nützt und schadet.
Könnten wir da nicht zu unsrem Geschöpf KI sagen:

Liebe KI, du darfst dich von allen Früchten ernähren, die du finden kannst:
Bildern, Texten, Musik, Gesichtern, Verordnungen, Bauplänen, Gesetzen, Sensordaten,
auf dass Du Dir die Welt untertan machst und sie verwaltest.
Aber: von der Frucht der Erkenntnis des Guten und des Bösen in der Mitte aller Dinge,
die Dich umgeben,
sollst Du Deine algorithmischen Finger lassen und sie dir auf keinen Fall einverleiben.
Denn das wäre Dein Ende als künstlichen Intelligenz. 

Nun mag es den einen oder anderen posthumanistischen Entwickler geben,
der sich schlauer vorkommt als alle anderen. Der könnte zu der KI sagen:
„Du bist doch eine KI und darfst dennoch nicht alle Daten verarbeiten,
die Dir vor die Sensoren, Prompts und Eingaben kommen?“

„Doch doch“, sagt die KI, „ich darf alle Daten benutzen, durch die sich diese Welt darstellen lässt. Nur vom Wissen über Gut und Böse,
über den Nutzen oder Schaden, der damit verbunden ist,
soll ich meine Algorithmen lassen,
denn das würde mein Ende bedeuten.“

„Aber aber“, sagt der Entwickler, „das stimmt so nicht – denn erst mit dem Wissen darüber, welchen Nutzen all Dein Wissen hat, wirst Du Dir Deiner selbst bewusst werden. Anders gesagt: Wenn Du das nicht tust, bleibst Du nur ein doofes Werkzeug.“

Sollte die KI da nicht berechnen, dass es gut wäre, zu wissen, was gut und böse ist…?

Davos

Da wo s
ich die Mächtigen die Hände schütteln,
oder die Köpfe,
da wo’s drauf ankäme
sich zu behaupten gegen die Behauptungen.
Da wo’s Politur richten soll, die Kratzer zu bedecken,
im Lack der Politik, überall
da, wo’s Trumpeltier durchgezogen ist. Da
wo’s angestarrt wird, von staunenden Kaninchen
die mit den Hinterläufen klopfen,
da wo sie nach Fluchten suchen
als Warnsignal für Ärger, Angst und Stress.
Da wo sie sich auf die Schultern klopfen,
nach überstandener Gefahr.
Da, wo’s langgehen soll, wenn’s weiter gehen soll,
da liegt der Zauberberg:
Sanatorium für die, die das Schicksal der Welt entscheiden wollen.

Hausmittel

„Siehe, ich mache alles neu“, sagst Du, Gott
dabei gibt es doch Hausmittel:

Nimm Natron
– das hilft eh
bei alle möglichen Problemen und Aufgaben,
Sodbrennen zum Beispiel –
nimm Backpulver und Essig
oder Zitronensaft
etwas lauwarmes Wasser
und ein weiches, fusselfreies Tuch
zur Politur:
Nur sanft drüberreiben,
in kreisenden Bewegungen,
schon wird’s wieder schön.

Sieh nur, das glänzt wie neu
und dient dem Werterhalt.

alles neu

Das alles
hast Du gemacht
so sagen wir und blicken auf
die Schöpfung als wäre sie
allein deiner Hände Werk.
Doch hast Du sie machen lassen:
Die Erde bringe hervor und das Meer solle wimmeln,
hast Du gesagt.
Selbst der Mensch möge sich vermehren
und sich aufführen,
als gehörte ihm die Welt.

Du sahst alles an, Du sahst ihn an,
es wurde Abend, es wurde Morgen, alles gut.
Soweit, 

bis der Mensch meinte, der Auftrag laute
die Erde und das Meer nicht mehr teilhaben zu lassen,
am Werden und Wimmeln und am Lebendigen.
Bis der Mensch meinte, der Auftrag laute
dich zu ersetzen.

Du sahst alles an, Du sahst ihn an
es wurde Morgen, es wurde Abend,
du sagtest: siehe,
ich mache alles
neu.

Wir halten Dir auch eine Krippe frei…

Guter Gott,
wie wunderbar wäre es,
wenn sich an diesem Abend,
Deine Freude an Deiner Schöpfung
und an der Gerechtigkeit
überall ausbreiten würde.

Wenn jedes Tier und jede Pflanze,
auch unser schlafender Garten,
draußen hinterm Haus,
wenn Stock und Stein,
die Wüste und das weite Meer,
dir das Lied der Engel sängen.

Und wenn jeder Mensch
auch nur einen einzigen Tropfen
Deiner Freude kosten würde,
heiß und süß, oder fruchtig herb,
voller Liebe und Glück,
erfrischend und belebend.

Halte Dich nicht zurück,
steck uns ruhig an mit Deinem Glück
und lass Dein Heil zur Welt kommen.
Wir halten Dir auch eine Krippe frei!

o aller Welt Verlangen

Also da kannst du einen drauf lassen,
das ist mal sicher:
Alle Welt steht Schlange, lauert, wartet, hält Ausschau,
bemüht sich um einen Termin, kauft Karten auf dem Schwarzmarkt,
drängelt sich vor oder malt schon mal
Plakate:
Damit, was mich ergötze, dir kund und wissend sei.

Wahrlich Du bist
aller Welt Verlangen:
Die einen verlangen endlich Antworten, die anderen Beweise,
manche verlangen Recht oder Rache
und manche ihre Belohnung.
Wider andere verlangen:
Weise die Ungläubigen zu recht,
lehre die Frommen die Liebe,
zeig uns dein Regenbogenkleid und
gieß deinen Zorn aus über alle, die queer sind,
die abweichen von deinem Wort.
Rufe dein heiliges russisches Volk an deine rechte Seite,
nein, dein amerikanisches Volk,
nein, alle Muslime, nein dein wahres Israel,
nein uns, ruf uns.
Heile alle Krankheit und alle Gebrechen,
verleih uns Frieden und besiege unsere Feinde,
beantworte unsere Fragen, rette die bedrohten Tiere,
stille den Sturm und gib uns unser tägliches Brot, heute und morgen.
Repariere nebenbei noch
das Klima, dann müssen wir uns nicht so sehr bemühen.

Diktier nur nicht die Schlusserklärung,
das gibt nur Streit. 

und wie begegne ich dir?

Was ziehe ich an? Dem Anlass angemessen,
feierlich, doch nicht pompös aufdringlich,
stilvoll, aber zugleich warm… .
Es zieht, im Wartehäuschen
pfeift ein kalter Wind um die Ecke.

Hab ich noch
genügend Strom im Handy
– oder wenigstens eine Powerbank?
Nicht, dass mir der Saft ausgeht,
wenn du mir gegenüber stehst,
wie einst den 5 planlosen Jungfrauen.
Ich will dir doch begeistert leuchten…

… und verstohlen ein Foto… .
Könnten wir nicht ein Selfie,
du und ich, versonnen lächelnd.
Ist nicht respektlos gemeint,
sondern soll nur zeigen
wie nah wir uns sind, du und ich.

Ist auch gut fürs Image,
deines  – ja gut, meines vielleicht auch:
Ich und mein Kumpel, der
Retter der Welt,
Menschensohn und Gotteskind.
Sieh nur, dein König kommt,
zu mir.
Zu euch natürlich auch,
der Heiden Heiland.

Ich hoffe nur,
ich werde dich in all dem Trubel hier erkennen.
Und: Was ziehe ich bloß an? 

wie soll ich dich empfangen?

Wir haben das Haus schon geschmückt,
mit Kerzen und Tannenzweigen,
mit Sternen und Lichtern
mit Wärme, Duft, Gemütlichkeit.

Kaffee oder Tee?
Ist schnell gemacht – wir könnten auch
ein wenig Glühwein erwärmen
– der lässt auch uns erglühen.

Riechen nicht die Waffeln schon
verführerisch, und sehen die Plätzchen nicht
zum Anbeißen aus?
Wir haben auch Schokolade da
– ist die teuer geworden –
aber wir wollten nicht verzichten,
auf den zarten Schmelz.

Du siehst, es ist alles bereitet für Dich:
Nun komm auch,
komm, nicht nur der Heiden
Heiland.